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Die eisige Beziehung zwischen Uli Hoeneß und Louis van Gaal.

3. Februar 2011

Seit Wochen macht der FC Bayern seinem Spitznamen FC Hollywood alle Ehre: Uli Hoeneß und Louis van Gaal liefern sich einen öffentlichen Schlagabtausch. Experten und Fans betrachten die Diskussion zumeist einseitig: Entweder van Gaal ist der gefühlskalte Trainer und Hoeneß der Bewahrer des FCB, oder van Gaal der Retter des guten Fußballs und Hoeneß der integrante Machtpolitiker, der seinen Einfluss auf den FC Bayern gefährdet sieht. Die Wahrheit, wie die Beziehung zwischen van Gaal und Uli Hoeneß zu bewerten ist, liegt dazwischen.

„Ich glaub nicht, dass sie einen Spieler finden werden, der etwas gegen Uli Hoeneß hat.“, sagte einst Mehmet Scholl über den Bayern-Manager Uli Hoeneß. In der Tat genießt dieser ein sehr hohes Ansehen bei aktuellen und ehemaligen Bayern-Akteuren. Abseits der Öffentlichkeit lassen sich zahlreiche positive Beispiele finden, die von Hoeneß Menschlichkeit zeugen: Als Lars Lunde 1987 bei einem Autounfall sportinvalide wird, sorgt Hoeneß dafür, dass dieser noch mehrere Jahre Gehalt vom FC Bayern beziehen kann. Ähnliches passierte im Falle Sebastian Deisler. Wer einmal beim FC Bayern erfolgreich gespielt hat, konnte auf die Hilfe von Uli Hoeneß setzen. Jahrzehntelang bezog der FC Bayern beispielsweise sein Briefpapier von Georg Schwarzenbeck, was diesen finanziell absicherte.

Dabei muss man nicht mal die Meinung vertreten, Uli Hoeneß tue das alles aus reiner Menschenliebe. Hinter seinen Taten steht die Philosophie, dass Fußballvereine nur erfolgreich sein können, wenn die Spieler sich voll mit ihrem Verein identifizieren können. Nach außen baut er ein Feindbild FC Bayern auf, um herauszustechen aus der Fußballwelt Deutschlands – nach innen tut er alles, damit die Spieler sich wohlfühlen. Hier lassen sich eindeutig Parallelen zur Öffentlichkeitsarbeit von Jose Mourinho erkennen.

Hier liegt das erste Problem in der Hoeneß – van Gaal Beziehung: Genau diese Art von Behandlung von Fußballspielern ist letzterem ein Dorn im Auge. In seiner Biographie macht er keinen Hehl daraus, dass er wenig von der bei Bayern gängigen Praxis hält, dass Spieler sich bei Vereinsoffiziellen ausheulen können. Für ihn ist eine Fußballmannschaft eine Fußballmannschaft – nicht mehr, nicht weniger. Für private Dinge sind die Spieler selber und der für solche Fragen ausgebildete Mannschaftspsychologe zuständig. Dass van Gaal nicht gerade für Feingefühl bekannt ist, war bereits vor seiner Zeit bei Bayern bekannt. Robert Enke musste sich bei seiner Ankunft in Barcelona vom damaligen Trainer van Gaal als erstes anhören, dass nicht er, sondern die Vereinsoberen ihn haben wollten. Man kann sich lebhaft vorstellen, dass die Gespräche mit Mario Gomez oder Antoliy Tymoshchuk nicht anders aussahen. Spieler zu finden, die schlecht über van Gaal reden, ist wahrlich keine große Kunst – jeder von ihm aussortierte Spieler kann zig Geschichten über den dominanten Holländer erzählen, von Giovanni über Lucio bis Luca Toni.

Für van Gaal steht nie der Mensch, sondern immer der Fußball im Vordergrund. Dies wird ihm oft als seine größte Schwäche ausgelegt, ist aber nebenbei auch seine große Stärke: Im Gegensatz zu Uli Hoeneß hat er eine genaue Vorstellung davon, was schöner Fußball ist. Für van Gaal ist das höchste Ziel des Fußballspielens nicht Erfolg, sondern die „Schönheit des Seins“. In Interviews macht er keinen Hehl daraus, dass eine „schöne Niederlage“ besser ist als ein „dreckiger Sieg“.

Sowohl Uli Hoeneß als auch Louis van Gaal wollen über den Weg des Fußballs unsterblich werden. Wo Uli Hoeneß jedoch Erfolg über Titel definiert, tut Louis van Gaal dies über dominanten und spielerisch aufregenden Offensivfußball. Er möchte, dass sich die Fans noch in zig Jahren an das schöne Spiel erinnern, das er mit seiner Mannschaft auf dem Platz verwirklichte. Genau aus diesem Grund hat er ein sehr hohes Standing bei den Bayern-Fans: Diese waren nach den Jahren unter Hitzfeld und Magath satt von den pragmatischem Erfolgstrainern, die ihre Taktik opportunistisch dem Erfolg unterordneten. Sie wollten in der Allianz Arena nicht nur die erfolgreichste, sondern auch die beste Mannschaft Deutschlands sehen, und genau das hat ihnen van Gaal in der Vorsaison geboten.

Hier konnte Uli Hoeneß noch verhältnismäßig ruhig bleiben, weil sein großes Ziel, Titel um jeden Preis, erreicht wurde. Sobald der Erfolg allerdings nicht mehr gegeben scheint, wurde er ungemütlicher. „Wer den Trainer wie ich in Barcelona erlebt hat, ist jetzt auch nicht überrascht, dass Uli Hoeneß in München mit van Gaals Umgangsformen wenig anfangen kann.“, weiß Journalist und Enke-Biograph Ronald Reng. Da ist es Uli Hoeneß auch egal, dass die Bayern im Gegensatz zu früher eine klare Strategie verfolgen, die auf dem Aufbau junger Spieler statt auf dem kurzfristigen Einkauf von Stars beruht. Er sieht „sein Modell FC Bayern“ mit all seinem Erfolg und all seiner Menschlichkeit in Gefahr.

Am Wochenende konterte van Gaal erneut die Kritik von Hoeneß. „Mein Vorstand unterstützt mich, meine Spieler unterstützen mich, mein Stab unterstützt mich. Ich denke, dass ich mich sehr wohl fühle beim FC Bayern. Aber mein Präsident hat Kritik geäußert. Okay, das ist so. Wenn eine Person das macht…“ Freunde werden die beiden in diesem Leben nicht mehr.