Archive for August 2011

Saison Prognose 2011/2012

4. August 2011

Saison-Prognosen aller Orten – da will auch ich nicht fehlen! Mein vollkommen subjektiver Blick auf die kommende Saison.

Borussia Dortmund

Auch wenn viele diese Saison auf die Bayern setzen, ich sehe den BVB leicht vorne. Die Leistungen in der Vorbereitung knüpften da an, wo man letzte Saison aufgehört hat. Da der Kern der Mannschaft zusammengeblieben ist, funktioniert Klopps System weiterhin tadellos: Viel Laufbereitschaft, Pressing auf dem ganzen Platz, variables Offensivspiel. Sahin ist zwar gegangen, doch bereits in der Rückrunde der letzten Saison deutete der BVB an, dass sie auch ohne ihn stark sind. Zusammengerechnet mit den guten Neuzugängen Gündogan, Perisic und Löwe scheint der BVB das Potenzial zu haben, die Meisterschaft zu verteidigen.
Prognose: Sie verteidigen den Titel. Platz 1

Bayer Leverkusen

Wenn Bayer Leverkusen tatsächlich das hält, was die erste Halbzeit in Dresden versprach, dann sind sie heißer Kandidat für den tollsten Fußball. Was das Mittelfeld an Rochaden anbot, war größtes Kino. Auf der anderen Seite steht jedoch eine Abwehr, die ihren Namen noch nicht verdient hat. Zumal neue Trainer mit einem derart komplexen taktischen Konzept ein bis zwei Jahre Einarbeitungszeit brauchen, um den Kader ihren taktischen Ideen anzupassen (siehe Klopp beim BVB, der auch die komplette Mannschaft ersetzte, bis er Erfolg hatte). Dutt enttäuschte bisher in der ersten Saison bei neuen Trainerstationen nie, schaffte jedoch auch noch nicht den großen Sprung.
Prognose: Dutts Premierensaison ist spektakulär und endet solide auf Platz 4

Bayern München

Eigentlich ist alles angerichtet für eine erfolgreiche Saison: Eine Mannschaft, die punktuell verstärkt wurde. Eine Abwehr, die nach den Neuzugängen von Rafinha und Boateng endlich funktionieren könnte. Ein Trainer, der keinen Radikalumschlag möchte, sondern ruhig mit Mannschaft und – ganz wichtig – Vorstand arbeiten kann. Und trotzdem bleibt beim FC Bayern ein kleines Fragezeichen. Wird Heynckes taktisch an das ballbesitzorientierte Spiel von Louis van Gaal anknüpfen? Wird er ähnliche Ruhe ins Aufbauspiel bringen, wie er es bei Bayer Leverkusen tat? Und wie reagiert das nervöse Umfeld auf zu erwartende Rückschläge? Solange all diese Fragen nicht endgültig beantwortet sind, kann ich an dieser Stelle nur Platz 2-3 prognostizieren.
Prognose: Aktuell sieht es nicht nach Meister aus. Platz 2-3

Hannover 96

Keine Abgänge, ein beruhigtes Arbeitsklima, Euphorie im Umfeld – klingt danach, als ob Hannover 96 erneut eher nach oben als nach unten schielen darf. Mit erhöhtem Anspruch und Budget kommen allerdings neue taktische Probleme: Nachdem man letzte Saison abwartend agierte und mit Mittelfeldpressing und wenig Raum zwischen den Viererketten erfolgreich Gegner um Gegner überrumpeln konnte, ist man nun im Spiel gegen viele Bundesligisten in der Favoritenrolle. Wenn ihnen der Gegner den Ball gibt und selber tief steht, haben sie ihre Mühe, das Spiel zu machen. Dieses Problem wird dem amtierenden Vierten diese Saison sicher öfters passieren. Slomka hat an diesem Problem gearbeitet, wie die von mir gesehenen Spiele in der Vorbereitung zeigten – allerdings sind hier noch zu viele Fragezeichen, als dass ich eine erneute Überraschung prognostizieren könnte.
Prognose: Hannover schielt eher nach unten. Platz 12-15

FSV Mainz 05

Nach dem, was ich in der Vorbereitung sehen durfte (man muss eher sagen „musste“), dürfte Mainz ein Abstiegskandidat sein. Die Defensive ist ordentlich, aber nicht überragend. In der Offensive klappt jedoch gar nix. Das 4-3-1-2 System der letzten Saison, mit dem Tuchel immer noch kokettiert, stößt an seine Grenzen, wenn im offensiven Zentrum und auf den Flügeln niemand ist, der die Position füllen kann. Dennoch vertraue ich darauf, dass Tuchel nach schwierigen Anfangswochen das Ruder rumreißt. Das Potenzial im Kader ist da.
Prognose: Nach schlechtem Start reißen sie das Ruder rum. Platz 16.

1. FC Nürnberg

Die Vorbereitung verspricht Gutes: Ein Sieg gegen Ajax Amsterdam, eine souveräne Pokalleistung und Neuzugänge, die sich gut einfügen. Trotz der vielen Abgänge muss man sich keine Sorgen um Nürnberg zu machen. Schon die letzten Jahre zeichnete sie ein gutes Scouting aus. Pekhart und Feulner versprechen viel. Wenn Heckings Team diese Saison das Feld ähnlich eng macht wie letzte Saison und defensiv weiter gut steht, landen sie im Niemandsland der Tabelle. Für sie sicher ein großer Erfolg.
Prognose: Mit dem Abstieg haben sie nichts zu tun. Platz 7-11

1. FC K’lautern

Bitte in den Text über Nürnberg „Kaiserslautern“ einfügen und die Neuzugänge durch Vermouth und Schechter ersetzen. Zusätzlich sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass genau wie in Nürnberg das eher defensive Konzept auch nach hinten losgehen kann: Sobald die schnellen Gegenstöße und die auf wenige offensive Kreativposten ausgelegte Strategie nicht mehr aufgeht, kann es beiden Teams wie Eintracht Frankfurt letzte Saison ergehen. Die Lauterer wollen es nicht hoffen.
Prognose: Nürnberg ist das Vorbild. Platz 7-11.

Hamburger SV

Das große Fragezeichen der Liga. Der HSV steht vor dem größten Umbruch seiner Geschichte. Es ist nicht absehbar, wie es ausgeht. Die Fraktion der Spieler, die neu von Chelsea kamen, haben zwiespältige Leistungen gebracht: Töre überzeugte in der Vorbereitung, Mancienne so lala, Bruma eher Bankkandidat. Wenn alles perfekt läuft und Wunderkind Son unverletzt bleibt, reicht es für die erste Tabellenhälfte.
Prognose: Eine Saison im Umbruch. Platz 7-11.

SC Freiburg

Ebenfalls eine Wundertüte. Dutt hat es geschafft, Freiburg attraktiv und erfolgreich spielen zu lassen. Sorg muss jetzt beweisen, dass der Erfolg nicht nur der Taktik seines Vorgängers geschuldet war. Die Vorbereitung offenbarte, dass man noch immer recht abhängig von Cisse ist. Sollte dieser nun ein Formtief habe oder – Gott behüte – gar transferiert werden, sieht es ganz schlecht aus für Freiburg. Zumal das Pokalaus in dieser Hinsicht nichts Gutes verheißt.
Prognose: Klassenerhalt wird nicht geschafft. Platz 17-18.

1. FC Köln

Nachdem die bisherigen Tipps alle relativ konservativ ausfielen, werde ich nun das erste Ausrufezeichen setzen: Köln ist meiner Meinung nach ein Kandidat für die große Überraschung. Solbakken hat in Kopenhagen gezeigt, dass er mit wenig Geld viel erreichen kann. Nun wird in Köln (endlich) Angriffspressing eingeführt. Moderne Trainingsmethoden und eine Trainer-Manager-Kombination, die nicht auf Populismus zugunsten des Boulevards sondern auf langfristige Arbeit setzen, könnte der FC zu einer Überraschungsmannschaft der Saison werden lassen. Oder die Podolski/Express-Kombo macht in den ersten Wochen so viel Stunk, dass es doch gegen den Abstieg geht…
Prognose: Das neue Mainz. Platz 5 oder 6.

1899 Hoffenheim

Stanislawski und Hoffenheim, das fühlt sich immer noch an wie der berühmte Fisch mit dem Fahrrad. Er übernimmt einen Verein, dessen Fußball von der F-Jugend bis zum Altherrenteam geprägt ist von der Spielidee von Ralf Rangnick. Das ist ein schweres Erbe, zumal ich Stanislawski nicht zu den besten Taktikern der Liga zähle. Offensiv kann er sicher was, doch er muss zeigen, dass er mit einem derart ambivalenten Kader umgehen kann. Das wird ein hartes Stück Arbeit.
Prognose: Die Hinrunde wird verhauen. Nachdem Stanislawski hinwirft, rafft sich Hoffenheim auf und spielt eine gute Rückrunde. Platz 12-15.

VfB Stuttgart

Eigentlich bin ich geneigt, aufgrund der klasse Rückrunde und der soliden Vorbereitung dem VfB einen Europapokalplatz in Aussicht zu stellen. Labbadia ist ein solider Taktiker, der Kader gut besetzt. Doch der berühmt-berüchtigte Hinrundenfluch liegt wie ein Damoklesschwert über dem Team. Werden die Stuttgarter die erste gute Hinrunde seit Jahren spielen? Sollte dies nicht der Fall sein, liegt der Trainerrauswurf in der Luft: Labbadia ist kein Motivator, hat nicht die taktische Flexibilität für neue Ideen mitten in der Saison. Wenn jedoch die erste Saisonhälfte auf einem einstelligen Tabellenplatz überstanden wird, könnten sie ganz oben angreifen.
Prognose: Stuttgart besiegt den Fluch. Platz 5-6.

Werder Bremen

Mein subjektives Gefühl sagt mir, dass diese Saison nicht gut ausgehen wird. Thomas Schaaf macht seit Jahren die gleichen taktischen Fehler, zumal zuletzt viele Fehleinkäufe getätigt wurden. Doch die Transfers stimmen mich milde. Wenn der alte Herr es schafft, Ekici, Sokrates und Co. in ein Offensivkonzept zu stecken, dass die zu erwartende Defensivschwäche kompensiert, wird Werder Bremen mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Und das wäre aus meiner Sicht bereits ein Erfolg.
Prognose: Werder Bremen dümpelt im Mittelfeld. Platz 7-11

Schalke 04

Schalke ist eine weitere Wundertüte. Ralf Rangnick ist ein sehr kompetenter Trainer, der mit einer Mannschaft schön und erfolgreich spielen kann. Das hat er häufig bewiesen, und ich denke, das wird er auch diese Saison wieder beweisen. Der Zeitgeist bevorzugt aktuell schnell umschaltende Teams – etwas, das er beherrscht. Da die Baustellen auf den Außenverteidigerpositionen geschlossen scheinen, steht einer überraschend erfolgreichen Saison wenig im Wege.
Prognose: Schalke greift wieder an. Platz 2-3.

VfL Wolfsburg

Felix Magath is back, und mit ihm pumpt VW viele Millionen in das Team. Trotz der Transfers von Träsch, Lakic und der halben Abwehr von Eintracht Frankfurt halte ich nicht viel von den Niedersachsen. Magath behandelt die Außenpositionen stiefmütterlich. Überhaupt ist das offensive Mittelfeld eine einzige Baustelle im Spiel der Wolfsburger. Deshalb werden sie in dieser Saison niemanden überraschen.
Prognose: Eine Saison im unteren Tabellendrittel. Platz 12-15.

Mönchengladbach

Auch hier fällt die Prognose recht schwer. Lucien Favre hat unter Beweis gestellt, dass er die Defensive eines vom Abstieg bedrohten Teams in kürzester Zeit stabilisieren kann. Schon in Berlin konnte er so mit seinem modernen Catenaccio zeitweise um die Meisterschaft mitspielen. Schwächen offenbarte er dort in der darauffolgenden Saison im Bereich der Kaderplanung (wobei ungeklärt ist, ob es tatsächlich sein Unvermögen war). Auch seine Einkäufe zur neuen Saison sind keine Big Names. Gladbach ist daher sehr kaum ausrechenbar. Defensiv hui, offensiv pfui – viel wird auch davon abhängen, in welche Richtung der Trend der Bundesliga geht.
Prognose: Die letzten Jahre waren defensive Teams bevorteilt. Daher reicht es zu Platz 7-11.

Hertha BSC

Die Berliner haben sich vor allem dank ihrer soliden Offensive den Aufstieg gesichert. Defensiv waren sie nicht schlecht, allerdings waren sie auswärts in diesem Bereich anfällig. Die Erfahrung zeigt, dass defensiv starke Teams aus der zweiten Liga nach dem Aufstieg weniger Probleme haben als Teams, die durch ihre Offensivleistung in die erste Liga kamen – siehe der Vergleich Lautern / Pauli letzte Saison. Da der Kader von Hertha BSC Berlin aber breit gefächert ist und Babbel weiß, was er tut, werden sie nach schwierigen Anfangswochen den Klassenerhalt eintüten.
Prognose: Nichtabstieg. Platz 12-15

FC Augsburg

Der FC Augsburg ist bei jeder Bundesligaprognose Abstiegsfavorit Nummer eins – allein deshalb werden sie wahrscheinlich nicht absteigen. Ich schwimme einfach mal mit dem Strom und sage, dass die Systemänderung von 4-4-2 auf 4-2-3-1 erst zu spät fruchten wird, als dass der Klassenerhalt geschafft werden kann.
Prognose: Direkter Wiederabstieg. Platz 17-18