15 WM-Thesen, die Abrechnung!

Die WM endet heute Abend. Zeit zur Abrechnung. Wie gut lag ich mit meinen WM-Thesen? Wo lag ich falsch, wo richtig? Die Auswertung der WM-Thesen. Grün markierte Thesen waren korrekt, rot markierte Thesen falsch.

WM-These Nr. 1: Es wird nicht wie 2006, als sieben der acht Viertelfinalisten große Fußballnationen waren. Es wird eine Freak-WM wie 2002.

Eine enge These, die zudem recht offen formuliert wurde. Ich sage: eine WM, bei der Kolumbien, Costa Rica und Belgien im Viertelfinale stehen, eine WM, bei der Titelverteidiger Spanien sowie Italien und England in der Vorrunde rausfliegen – ich denke schon, dass man diese WM als freakig bezeichnen kann. Auch wenn das Halbfinale ausschließlich aus Top-Nationen bestand, aber da gab es ja dieses freakige 7:1…

WM-These Nr. 2: Lahm wird deutscher Schlüsselspieler. Deshalb wäre es besser, ihm im ZM spielen zu lassen, wo ein defensivstarker 6er fehlt.

Die einzige These, die sich noch nicht final bewerten lässt – es kann ja theoretisch noch sein, dass Deutschland das Finale verliert, weil Lahm im Mittelfeld fehlt, oder natürlich andersrum. Da er aber in den wichtigen Viertel- und Halbfinalspielen starker Rechtsverteidiger war, lässt sich bis hierhin sagen: These eher falsch.

WM-These Nr. 3: Die Taktikfreunde werden sich an diese WM als die Rückkehr der Dreierkette auf die ganz große Bühne erinnern.

Absolutes Ja. Auch wenn die Niederlande, Mexiko, Chile und Costa Rica nicht ins Finale stoßen konnten, haben sie doch der Welt gezeigt, dass die Dreier-/Fünferkette längst nicht veraltet ist.

WM-These Nr. 4: Belgien ist gut, aber überhyped. Kommen zu sehr über ihre individuelle Klasse und Physis. Achtelfinale ja, aber nicht mehr.

Auch hier haben wir wieder eine These, die recht schwer zu bewerten ist. Faktisch ist sie falsch – Belgien hat das Viertelfinale erreicht. Allerdings waren die Leistungen alles andere als stark, von einem WM-Favoriten waren sie weit entfernt. Einzig die zweite Halbzeit der regulären und die erste Halbzeit der Verlängerung gegen die USA waren richtig überzeugend. Ansonsten waren die Leistungen meist eher zum Einschläfern und das Team nur in der Schlussphase erfolgreich. Ergo: Faktisch falsch, gefühlt zumindest halbrichtig.

WM-These Nr. 5: Die Afrikaner werden wieder enttäuschen. Taktisch und von der Professionalität hängt der Kontinent leider hinterher.

Ja, mit Algerien und Nigeria schafften es zwei afrikanische Nationen im Achtelfinale. Aber: Wenn der individuell schwächste Vertreter eines Kontinents die mit Abstand beste Leistung abruft (Algerien), läuft irgendwas schief. Schlimmer noch: Ghana und Kamerun zeigten abseits des Platzes ein miserables Bild, die Elfenbeinküste verpasste die einmalige Chance aufs Achtelfinale gegen allenfalls durchschnittliche Griechen. Nein, das Bild der Afrikaner hat sich bei dieser WM wahrlich nicht verbessert, daher eine Zustimmung zur These.

WM-These Nr. 6: Modric macht da weiter, wo er im Klub aufgehört hat. Wird Kroatien zum Überraschungsteam führen und einer der Stars der WM.

Auch hier kann man wieder streiten. Fakt ist aber: Kroatien schied in der Vorrunde aus, Modric zeigte allenfalls durchschnittliche Leistungen. Ergo: falsch.

WM-These Nr. 7, diesmal etwas gewagteres: Chile wird die Gruppenphase überstehen.

Leicht zu bewerten: These war korrekt.

WM-These Nr. 8: Japan ist ein Geheimfavorit, aber hat eine unpassende Gruppe. Wenn sie da rauskommen, werden sie uns verblüffen.

Leicht zu bewerten: These komplett falsch. Die mit Abstand falscheste auf dieser Liste.

WM-These Nr. 9: Das Mexiko der Quali und das Mexiko der WM sind zwei komplett verschiedene Teams. Aber trotzdem wird’s Achtelfinale eng.

Der letzte Satz macht es etwas zwiespaltig. Da Mexiko aber nicht durch die Gruppe spazierte, kann man es gerade noch so als korrekt akzeptieren, hoffe ich. Zumal der erste Satz voll zutrifft: Mexiko zeigte offensiv eine wesentlich stärkere Leistung als in der Quali, war nicht wiederzuerkennen.

WM-These Nr. 10: Das Camp Bahia bereitet mir Sorgen. Trainingslager müssen ruhig gelegen sein, aber auch Ausbrüche ermöglichen. S. 54+90. Nicht nur, dass das WM-Camp nicht ganz fertig ist. Es liegt auch am Ende der Welt, sodass der Malente-Faktor droht.

Die Spieler von heute funktionieren anders als die Spieler von damals. Ein Fehler von mir, von der Vergangenheit auf die Gegenwart zu schließen. Daher: falsch.

WM-These Nr. 11: Portugal kann nicht nur das Auftaktspiel gegen GER gewinnen, sondern auch weit kommen. Defensiv stabil und offensiv Ronaldo

Falsch.

WM-These Nr. 12: Never underestimate Italy. Besonders dann nicht, wenn sie einen der flexibelsten Trainer des Turniers haben #prandelli

Falsch – auch wenn ich dabei bleibe, dass Italien von allen Enttäuschungen bei dieser WM die geringste Enttäuschung war. Gegen Costa Rica haben sich auch andere Teams (Niederlande!!) die Zähne ausgebissen, und gegen Uruguay waren sie erst zu zehnt so richtig unterlegen. Dennoch: Ausscheiden in der Vorrunde bedeutet, dass die These falsch ist.

WM-These Nr. 13: Nicht sonderlich originell, in den letzten Tagen häufig gehört: Niederlande übersteht die Gruppenphase nicht.

Falscher als falsch.

WM-These Nr 14: Der Titel führt über Brasilien. Taktisch nicht spannend, aber hochsolide und im 4-2-3-1 gut auf die Einzelspieler abgestimmt.

Nachdem wir bei Belgien eine These hatten, die faktisch falsch war, sich aber korrekt anfühlte, kommt nun der umgekehrte Fall: Brasiliens Leistungen waren selbst in guten Momenten nur durchschnittlich, das Ausscheiden am Ende blamabel. Aber: Sie sind bis ins Halbfinale gekommen, ergo: Sie waren nicht weit vom Titel entfernt. Ihr System war in der Tat gut auf die Einzelspieler abgestimmt (auch wenn das bedeutete, dass es ohne Neymar und Thiago Silva zusammenbrach). Streicht man das „hoch“ aus „hochsolide“, trifft die These bis zum Halbfinale vollends zu. Um die Flut falscher Thesen zu unterbrechen, werte ich das mal großzügig als korrekt.

WM-These Nr. 15: Wir werden unseren Spaß mit dieser WM haben.

Auch wenn es natürlich sehr subjektiv ist, aber aus meiner Sicht war es die beste WM, die ich bewusst erlebt habe. Sicher, die K.O.-Spiele waren teilweise ein Downer, nachdem das Turnier eine derart tolle Gruppenphase bot. Dennoch: Es bleibt vor allem viel toller Fußball in Erinnerung – so soll ein Turnier sein.

Fazit: 7 von 15.
Experten-Level: Für Markus Lanz sollte es reichen, mehr wird schwierig.

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4 Antworten to “15 WM-Thesen, die Abrechnung!”

  1. JoeDoe Says:

    Schön, dass Du hier Deine Thesen hier nochmal aufgreifst und bewertest. Sehr interessant, auch wenn Deine Trefferquote nicht über die eines Münzwurfes hinausgeht. Das haben Vorhersagen nunmal häufig so an sich.

    Wäre Klasse wenn Du oder besser noch alle SV-Autoren vor der Bundesligasaison ähnliche Thesen aufstellen könntet und diese dann am Ende der Saison/Hinrunde auf Richtigkeit prüft. Kommt bestimmt gut an.

  2. Guergen Says:

    „Die Spieler von heute funktionieren anders als die Spieler von damals. Ein Fehler von mir, von der Vergangenheit auf die Gegenwart zu schließen. Daher: falsch.“

    Heißt übersetzt: Damals wollten die Spieler in einer Kneipe oder einem „Disse“ zehn Pils trinken, heute wollen sie Playstation, Pool und Sauna?

  3. hilti Says:

    These 10 war schon ziehmlich steil im Zeitalter von Playstation, Laptop, Internet und Smartphone. Damit ist die größte Motivation für die Ausbrüche, nämlich Langeweile ein gelöstes Problem.

  4. Tery Whenett Says:

    Schönes Fazit der Thesen, allerdings würde ich These zwei (Lahm) als erfüllt ansehen. Lahm IST ein Schlüsselspieler und nur dank seiner Flexibilität konnte Löw Schweinsteiger und Khedira langsam und ohne Qualitätssorgen in das Turnier eingliedern. (Wäre 2012 gut gewesen.)

    8/15 sind bei der Unberechenbarkeit der Thematik ein gutes Ergebnis – für Lanz (höhö) bist du damit eindeutig überqualifiziert.

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