Mein Ranking der deutschen WM-Teilnehmer

Was macht ein Fußballnerd, wenn ihm langweilig ist? Er schaut sich alte WM-Spiele an. Und was macht ein Fußballnerd, wenn ihm danach immer noch langweilig ist? Er erstellt ein Ranking. Alle deutschen WM-Teilnehmer seit 1954 in einer kompakten Liste:

Platz 16: WM 1982

Zugegeben: Fußballerisch war die WM-Mannschaft 1982 nie so schlecht, wie sie manchmal dargestellt wird. Dagegen sprechen allein schon Namen wie Karl-Heinz Rummenigge, Paul Breitner, Felix Magath oder der junge Lothar Matthäus; allesamt Spieler, die mit dem Ball umzugehen wussten. Was diese WM-Mannschaft so grausam macht, ist das völlig verschwendete Talent und ihr purer Zynismus. Die genannten Spieler lassen ihr Talent praktisch nie aufblitzen. Stattdessen spielt Deutschland langsamen, zermürbenden, schlecht anzusehenden Fußball. Und über den Zynismus müssen wir nach der Schande von Gijon und der Attacke von Schumacher nicht reden.

Platz 15: WM 1998

Ich war recht erstaunt, als ich das Viertelfinale 1998 in voller Länge anschaute. Bis dahin hielt ich Berti Vogts Schutzbehauptung, der Schiedsrichter habe Deutschland verpfiffen, für ebendies: eine Schutzbehauptung. Tatsächlich geht aber jede 50:50-Entscheidung zugunsten der Kroaten aus. Wörns rote Karte wegen Notbremse war zumindest diskussionswürdig. Vogts hat sogar Recht, wenn er sagt, dass die Partie gegen Kroatien das beste deutsche Spiel bei dem Turnier war. Schiedsrichter-Leistung hin oder her – wenn ein 0:3 dein bestes Turnierspiel war, kann es kein sonderlich gutes Turnier gewesen sein. Tiefpunkt war Matthäus in seiner Rolle als nicht mehr ganz so frischer Fußballer, der seine Fußballerkarriere auf der Libero-Position verlängerte.

Platz 14: WM 2002

Bis heute ist mir nicht wirklich klar, wofür die deutsche Mannschaft der WM 2002 steht. Dreizehn Jahre später stellt man sich dieselbe Frage wie anno 2002: Wie konnte es dieses Team ins Finale schaffen? Es bleibt ein Mysterium, ein Rätsel. Auf der Proseite hat dieses Team einen klugen Michael Ballack und einen Kahn in Bestform. Auf der Kontraseite steht ein Fußball, der gefangen ist im Nirgendwo zwischen Mann- und Raumdeckung, schnellem Spiel und Ballhalten, Aufrücken und defensiver Sicherheit. Eine Mannschaft ohne Eigenschaften.

Platz 13: WM 1962

Ich weiß nicht, ob ich die deutsche Mannschaft von 1962 so schlecht bewerte, weil sie so schlecht spielte – oder weil der Fußball bei dieser WM allgemein grausam war. Der Fußball steckte zu jener Zeit an der Schneise zur Moderne. Die defensiven Mittel des herannahenden Catenaccios wurden bereits angewandt, das schnelle Kontern jedoch nicht. So entstand eine WM, die im Zeichen von tempoarmen Defensivfußball stand. Deutschland war mittendrin und erzielte 5:2 Tore in vier Partien. Hier kam Herberger seinem Klischee, ein Defensivstratege zu sein, sehr nahe.

Platz 12: WM 1978

Die WM 1978 führte Elemente in die deutsche Nationalmannschaft ein, die für die nächsten 20 Jahre typisch werden sollten. Eine Elf, deren Kern überaltert war, trat in einem System an, für das nach dem Rücktritt Beckenbauers eigentlich ein guter Libero fehlte. Vom offensiven Spiel der Ära Schön war wenig zu spüren. Anders als die kommenden drei WMs endete es jedoch nicht halbwegs versöhnlich, sondern mit einer Schmach. I werd narrisch.

Platz 11: WM 1994

Theoretisch könnte man die deutsche Nationalmannschaft der WM 1994 auch höher bewerten. Sie hätte sogar im Turnier weiter vorstoßen können. Ja, wenn Matthias Sammer fit gewesen wäre. In den Partien mit ihm im Mittelfeld zeigte die deutsche Mannschaft temporeichen Fußball. Allerdings fehlte er im entscheidenden Viertelfinale. Abseits Sammers war es wie in den Turnieren davor: eine Ansammlung eigentlich zu alter Leitfiguren, die zynischen und wenig spektakulären Fußball bot. Nur dass man anders als 1990 kein Glück hatte.

Platz 10: WM 2006

Schockierende Wahrheit I: Ich kann mit dem Sommermärchen-Team wenig anfangen. Nicht dass ich das Sommermärchen nicht mag; die Stimmung, die Lebensfreude, der überraschend starke Fußball. Wobei der Überraschungseffekt eben nur durch die schwachen Leistungen in den Jahren zuvor erklärt werden kann. Es war die beste deutsche WM-Mannschaft seit 16 Jahren, der Fußball war schneller und zielstrebiger. Schaut man es sich jedoch aus heutiger Sicht an, sieht man ein Spiel, das spätestens ab der K.O. Runde gänzlich auf Kompaktheit ausgerichtet war und dem offensiv die Glanzlichter fehlten. Die eigene Defensiv- und Konterstärke war aber nie so groß wie bei den Italienern und den Franzosen. Ein überdurchschnittliches deutsches WM-Team, das alles aus seinem durchschnittlichen Talent herausholte – nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Platz 9: WM 1990

Schockierende Wahrheit II: Ich kann mit den WM-Siegern von 1990 wenig anfangen. Ich verstehe bis heute nicht, wieso die Sportfreunde Stiller den Triumph als „verdienten Lohn“ bezeichnen. Jedes K.O.-Spiel hätte genauso gut andersrum ausgehen können, ohne dass sich ein Deutscher hätte beschweren können. Dass Deutschland gewann, lag maßgeblich daran, dass Beckenbauer jegliche offensiven Risikofaktoren nach 1986 über Bord warf. Die Verteidigung gewann diese WM, im Zusammenspiel mit einem Matthäus auf der Höhe seines Schaffens. Die Spiele sind aus heutiger Sicht sehr schwer anzuschauen.

Platz 8: WM 1958

Von der WM-Mannschaft 1958 gibt es am wenigsten Videomaterial. Ausschnitte aus den Gruppenspielen und die Partie gegen Schweden deuten an, dass die Nationalmannschaft dort weitermachte, wo sie 1954 aufhörten: Fritz Walter dirigierte aus dem Mittelfeld, die Stürmer tauschten freudig die Positionen. Auch wenn Rahn mal wieder starke Leistungen zeigte, so fällt doch auf, dass ein Pele oder ein Kurt Hamrin die großen Protagonisten dieses Turniers waren. Deshalb Abzüge in der B-Note für eine saubere Mannschaft.

Platz 7: WM 1986

Franz Beckenbauer hat seine eigene Mannschaft mit so viel Inbrunst beleidigt, dass man noch heute glaubt, das deutsche WM-Team 1986 bestünde aus Altherren-Spielern auf Krückstöcken. Für ihr beschränktes Talent spielte Deutschland ab der K.O.-Runde jedoch auffallend offensiven Fußball. Das Finale war eins der Besten der WM-Geschichte, auch weil Deutschland nicht komplett auf eine eigene Offensive verzichtete wie vier Jahre später. Aus heutiger Sicht sind die deutschen Spiele 1986 unterhaltsamer als jene aus dem WM-Siegerjahr 1990.

Platz 6: WM 1974

Die WM 1974 erlitt in der historischen Wahrnehmung das gleiche Schicksal wie jene 2006. 2006 sehen alle nur die Steigerung zu den Jahren davor. Bei der WM 1974 sehen alle nur den Abfall im Vergleich zur EM 1972. Dabei hatte die zweite deutsche Weltmeisterelf nach der schwachen ersten Gruppenphase einige richtig sehenswerte Spiele gezeigt. Die Auftritte gegen Schweden und Jugoslawien boten kontrollierten, aber dennoch schönen Offensivfußball. Auch das Finale hat Deutschland keineswegs glücklich, sondern durchaus verdient gewonnen, weil Beckenbauer an diesem Tag wesentlich stärker war als Cruyff.

Platz 5: WM 2010

Die 2010er-Elf war das, was die 2006er-Elf gerne sein wollte: eine furiose Kontermaschine. Defensiv stand Deutschland kompakter, presste besser im Mittelfeld als vier Jahre zuvor. Offensiv zeigte Deutschland einige der schönsten Kontertore, die es je bei einer WM zu bestaunen gab. Die Partien gegen England und Argentinien könnte ich mir in Dauerschleife ansehen. Die eigene Beschränktheit im taktischen Ansatz wurde jedoch im Halbfinale deutlich, als man tiki-taka-Maschine Spanien völlig zurecht unterlag. Dennoch: Unterhaltsames WM-Team, tolle Leistungen.

Platz 4: WM 1966

Das Muster der ersten Schön-Jahre war stets dasselbe: Schön war bereits vor dem Turnier angeschossen. Niemand traute seinem Team was zu. Plötzlich zeigte es jedoch tollen Offensivfußball, der den Kritikern die Grundlage raubte. So war es 1972, so war es 1970 – und so war es auch 1966. Das Tandem Triplet Seeler-Beckenbauer-Haller war großartig anzuschauen. Beckenbauer, noch im Mittelfeld unterwegs zu jener Zeit, zeigte seine wohl stärksten Prä-Libero-Leistungen. Das WM-Finale war ein großer, offensiver Spaß. Bis, ja bis zu diesem einen Tor…

Platz 3: WM 2014

Bei der WM 2014 tue ich mir mit der Einordnung schwer. Zu kurz her ist der vierte WM-Triumph, zu frisch die Gefühle. Die Zeit muss zeigen, welchen Platz dieser WM-Triumph einnimmt. Wird das 7:1, das wohl größte Spiel der deutschen Fußballgeschichte, alles überschatten? Oder erinnern sich die Leute auch an die zähen Spiele gegen Algerien, Frankreich und Argentinien? Meine Meinung zum jetzigen Zeitpunkt: Die deutsche Elf von 2014 war die talentierteste, die Deutschland je hatte. Sie begeisterte nicht wie ihr Vorgänger 2010, zeigte aber Fußball auf taktisch allerhöchstem Niveau. Und das eine 7:1 sollte reichen, um in die Ruhmeshalle der Legenden einzugehen.

Platz 2: WM 1970

„In Schönheit sterben“ ist das vielleicht am wenigsten deutsche Motto, was den Fußball angeht. Am Ende zählt der Erfolg. Die deutsche WM-Mannschaft 1970 ist die einzige, die je so richtig in Schönheit starb. Sie ist auch die einzige, die tatsächlich offensiv war – strategisch, taktisch und von den Spielernaturen her. Uwe Seeler, Gerd Müller, Wolfgang Overath, Franz Beckenbauer, Jürgen Grabowski, Stan Libuda – was für Namen, was für ein Angriffsfokus. Bei den Spielen gegen England und Italien kommen alle Fußballfans auf die Kosten: jene, die den schönen Fußball lieben, genauso wie die Freunde von Spannung, Schweiß und Tränen.

Platz 1: WM 1954

Ich muss gestehen, ich bin hier nicht objektiv. Ich liebe das Wunder von Bern. Nicht das grässliche Musical oder den kitschigen Film – nein, die reale Geschichte. Eine Mannschaft aus Amateuren besiegt die großen, mächtigen Ungarn. Natürlich war die deutsche Elf von 1954 nicht so talentiert wie ihre Nachfolger; sie war nicht einmal so talentiert wie ihre Gegner. Doch sie machten viel aus ihrem Talent, mehr als jede andere deutsche Elf es je tat (und damit haben wir auch ein halbwegs objektives Argument, warum sie auf dem ersten Rang stehen). Sie waren nicht nur eine defensive Mannschaft. Die Positionsrochaden in der Offensive waren ihrer Zeit voraus. Fritz Walter dirigierte das Spiel, wie es nie wieder ein deutscher Spielmacher dirigieren sollte. Es passte einfach alles. Ein Wunder.

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13 Antworten to “Mein Ranking der deutschen WM-Teilnehmer”

  1. Max Says:

    „Tandem Seeler-Beckenbauer-Haller“

    Und ich dachte immer, bei einem Tandem fahren zwei!

    • t0bstar Says:

      Korinthenkacker 😉 Im Ernst: Habe es verbessert.

      • Max Says:

        Ja, sorry, hier und bei Twitter nur rumgemecker wegen unglücklichen Formulierungen und keiner hat inhaltlich was beizutragen.

        Daher: nette Idee. Ich finde es schwer zu beurteilen, weil ich einfach viele WM-Teams nicht kenne. Aber zumindest bei den aktuelleren kann ich die Beurteilung nachvollziehen.

  2. heinzkamke Says:

    Schöne Idee, überraschend kompakt umgesetzt (was ein Kompliment sein soll). Wenn ich an einer Stelle klugscheißen und an einer zweiten ein bisschen schmunzeln darf?
    Bei Platz 7 sprichst Du im Text von 1982, vermutlich aus Versehen, oder ich hab was nicht verstanden, und das Tandem Seeler-Beckenbauer-Haller klingt in meinen Ohren nach Fritz Walter, dem jüngeren.
    [Zugegeben: Wikipedia sagt, ein Tandem könne auch für mehr als zwei Personen gebaut werden. Dann hat’s aber auch andere Namen.]

  3. heinzkamke Says:

    Mist, Überschneidung. Sorry. Zu lange kommentiert.

  4. blub Says:

    Feine Übersicht. Jetzt weis ich das ich die Spiele der WMs von denen ich kaum was gesehen habe definitiv nicht mehr sehen muss. 😉

    Ich erwarte jetzt übrigens das TR zurückschießt:
    Eine Review aller Brasilien-teams, und zwar für jede Coppa America und jede WM. Hipsters goona hipster.

  5. #Link11: Was darf die Troika denn noch alles? | Fokus Fussball Says:

    […] weil er es kann, WM-Turniere der letzten 50 Jahre angeguckt. Ergebnis seiner Intensivrecherche: Sein persönliches Ranking der deutschen WM-Mannschaften seit 1954. Unter den ersten Fünf befinden sich nur zwei […]

  6. Guergen Says:

    WM 1994: War da nicht, wie 1998 ebenfalls, das Spiel im Viertelfinale, das vielleicht beste Spiel des deutschen Teams. Ich meine mich an eine, insb. im Vergleich zur Gruppenphase, sehr gute erste Halbzeit zu erinnern.

  7. 19Schnix25 Says:

    Ich finde das ist eine mehr als gut getroffene Reihenfolge – Daumen hoch!
    Vor allem die Beurteilung der 66er, 90er und 06er Mannschaft finde ich sehr treffend. Bei der 54er, 82er und 14er Mannschaft finde ich die Beurteilung schwierig (allgemein betrachtet, gehe da mit dir d’accord) und bei der 86er habe ich die größte Meinungsverschiedenheit im Vergleich zu dir.

    Wenn man die WM-Mannschaft von 1982 nur sportlich beurteilt, würde sie sicher im Mittelfeld landen. Größtenteils die Sternstunde von Gijon, aber auch das Auftreten neben dem Platz und das rücksichtslose Foul vom „Tünn“ in der Nacht von Sevilla, haben dazu beigetragen, diese nicht vorzeigbare Truppe auf P16 einzuordnen. Das was die 66er-1976er DFB-Auswahl aufgebaut und nebenbei die Europapokalleistungen der Bundesligaklubs untermauert haben, wurde durch dieses Verhalten mit Füßen getreten. Den erlangten Ruf wiederzugewinnen hat letztlich bis vor kurzem angedauert.
    Rein sportlich hat die Derwall-Mannschaft eine katastrophale Vorrunde gespielt – da kann auch das Chile-Spiel nicht drüber hinwegtäuschen – sich dann in der Zwischenrunde gesteigert, eine famose Aufholjagd gegen Frankreich gestartet, um letztlich im Finale vorgeführt zu werden.
    Trotzdem zeigt das Spiel gegen die Franzosen unsere größte Stärke, die in JEDER Mannschaft steckte, die zur WM geschickt wurde: Unsere Mentalität und damit zusammenhängend niemals aufzugeben.
    0:2 gegen Ungarn, 0:2 gegen die CSSR, 0:2 gegen England, 0:1 und 2:3 gegen Italien, 0:1 gegen die Niederlande, 1:3 i.d.V. gegen Frankreich, 0:2 gegen Argentinien, 0:2 gegen Jugoslawien und 0:1 gegen Argentinien. Ich glaube nicht das es ein Team gibt, welches so oft Rückstände egalisieren oder sogar noch drehen konnte, gegen die ganz großen des Sports.
    Aus dieser Tatsache heraus ist auch die unglaubliche Konstanz unserer WM-Auftritte zu erklären (4 T, 8 F, 13 HF, 17 VF, 18 AF in 18 Teilnahmen)

    Bevor ich jetzt abschweife zurück zum Ranking: Die 86er Mannschaft ist für mich deutlich zu hoch bewertet und gehört irgendwo bei die 78er und 94er Truppe. Warum? Eine maue Vorrunde und eine K.O.-Runde mit nur einem Treffer aus dem Spiel heraus – da kann es auch keine Entschuldigung sein, dass man für die zugegeben limitierte Mannschaft, phasenweise guten Fußball gezeigt hat.

    Die 90er und 06er Teams werden wahrscheinlich deshalb immer so hoch bewertet, da sie durch die Presse „hochgejubelt“ wurden/werden. Der Einstieg in Italien war phänomenal gegen Jugoslawien. Danach war das wie du schon sagtest Ergebnisfußball, basierend auf einer guten Defensive. Für die Qualität mit Klinsmann, Völler, Litti, Icke, Matthäus, Brehme und Bein war das deutlich zu wenig. Vielleicht liegt es ja an den Namen, dass man heutzutage mit ihnen sofort schönen Fußball assoziiert?! Da ich selbst Jahrgang 1992 bin, kann ich nur vermuten woran es liegt. Vielleicht hat das Eröffnungsspiel in Zusammenhang mit dem Niederlande-Spiel die Wahrnehmung etwas getäuscht? Die Rivalität war ja im Nachhinein betrachtet zu dieser Zeit auf dem Höhepunkt. Nachdem also die Revanche für ´88 geglückt war, ist allen Anschein nach, die objektive Bewertungsgrundlage für die weiteren Begegnungen, etwas in den Hintergrund getreten. Da sieht man dann über drei schwächere Leistungen (keineswegs unverdient) hinweg.
    Die 06er sind, neben deiner Feststellung jahrelang Rumpelfußball ertragen zu haben, wahrscheinlich durch die tolle Stimmung im Land (zugegeben es war ein Traum), ebenfalls nicht mehr ganz objektiv in Erinnerung. Das Neuville-Tor hat für eine gewisse Ekstase gesorgt (für mich neben Lahm’s 3:2 gegen die Türkei und Götze’s Siegtor der geilste Moment als DFB-Fan) und die nachfolgenden guten Spiele (Ecuador, Schweden) wurden, gefolgt vom erstmaligen Weiterkommen gegen eine Big-Nation seit 1996 (wenn auch nur nach Elfern), überbewertet. 2002 war ja wirklich nur Ballack/Kahn und ein bisschen Schneider, Neuville und Klose, 4 Jahre später hatte man Ballack, Frings, Schneider, Klose und dazu endlich wieder hoffnungsvolle Talente wie Schweinsteiger, Lahm, Mertesacker und Podolski. Löw’s Spielidee und sein schnelles Umschaltspiel, bis hin zur dominanten Passmaschine erfolte erst nach der EM 2008!

    Über die ersten 5 Plätze kann man in der Reihenfolge streiten, jedenfalls gehören alle 5 Teams jedoch dorthin.
    Die 2010er WM war sozusagen der Übergang zur Spitzenmannschaft. Dieses junge Team hat einfach nur alle verzaubert und ist gegen eine der stärksten Länderauswahlmannschaften aller Zeiten gescheitert (Uruguay 1928, Ungarn 1954, Brasilien 1958/1970, Niederlande 1974, Maradona 1986, Spanien 2010). Die Epoche (2010-heute), welche hoffentlich noch mindestens vier Jahre andauert, ist für mich die Beste, neben der von 1966-1976. In vier Jahren sechs Mal gegen die großen 7 (Spanien, Brasilien, Italien, Argentinien, England, Niederlande, Frankreich) ohne Elfmeterschießen zu gewinnen, hat es davor noch nie gegeben! England und Argentinien 2010, Holland 2012 und Frankreich, Brasilien und nochmals Argentinien 2014. Von 1990-2010 haben wir es überhaupt kein Mal geschafft.
    Mit der Einordnung der 2014er Weltmeister tue ich mich deshalb auch noch schwer. Das Auftreten, abgesehen von 20 Minuten gegen Ghana und über weite Teile gegen Algerien, war sehr dominant. Dazu kommen noch die erwähnten Siege gegen die Großen, dennoch weiß ich nicht wo man dieses Team neben 54, 70 und 66 einordnen soll.

    • 19Schnix25 Says:

      Edit: Für mich haben wir 2 der 3 schönsten DFB-Turniertore ebenfalls unter Löw geschossen. Jetzt ist das natürlich meine subjektive Meinung. Wo andere den Fernschuss in den Winkel, die Volleyabnahme, den Fallrückzieher oder ein Dribbling bevorzugen, finde ich die herausgespielten Tore über mehrere Stationen am Schönsten – es ist eben ein Mannschaftssport!

      Natürlich waren der Dropkick von Schäfer (1958 Schweden), Beckenbauers Doppelpässe mit Seeler (1966 Schweiz und Uruguay), der Hinterkopf Seelers (1970 England), Stan Libudas Dribbling (1970 Bulgarien), die Fernschüsse von Breitner (1974 Jugoslawien und Chile), der Fallrückzieher von Fischer (1982 Frankreich), Matthäus‘ Sololauf (1990 Jugoslawien), Brehme’s Schlenzer (1990 Niederlande), der Schuss aus der Drehung von Klinsmann (1994 Südkorea), Ballack’s Volley (2004 Tschechien) und Freistoß (2008 Österreich), Lahm’s Schlenzer (2006 Costa Rica), Özil (2010 Ghana) oder Schürrles Hackentrick (2014 Algerien) alles schöne Tore, aber sie reichen für mich an diese nicht heran:
      6. Klinsmann im Zusammenspiel mit Völler (1994 Belgien)
      5. doppelter Doppelpass zwischen Rummenigge und D. Müller (1978 Österreich)
      4. Netzer, Breitner, Beckenbauer, Müller, Netzer, Abpraller Heynckes, Tor Müller (1972 UdSSR)
      3. Schwarzenbeck, Müller, Heynckes, Schwarzenbeck (1972 UdSSR)
      2. Lahm, Khedira, Müller, Özil, Klose, Müller, Podolski (2010 England)
      1. Klasse Beispiel eine tiefstehende Mannschaft zu knacken, obwohl noch nicht mal das höchste Tempo dabei war: Schürrle, Khedira, Schweinsteiger, Özil, Boateng, Khedira (2012 Griechenland)

      Ich hab mal alle Tore/Gegentore der Deutschen nach der EM 2000 zusammengeschnitten (Kanal 25Schnix25). Man sieht schön ab wann der Kombinationsfußball einsetzt (nach der EM 08 ging es langsam los) Habe bisher nur bis 2006/07 hochgeladen, Rest folgt später.
      P.S. Das schönste was ich bisher von einer deutschen Mannschaft live am TV verfolgt habe waren die ersten 60 Minuten gegen Schweden. Auch wenn der Gegner nicht allerhöchstes NIveau hatte, war das für mich Fußball in Perfektion!

  8. klaasr Says:

    Verdammt. Jetzt muss ich mir doch mal alle WM-Spiele angucken, um hier mitreden zu können. Mich wundert es nämlich, dass das WM-Team von 2010 relativ weit oben rangiert. 19Schnix25 begründet die Wahl zwar auch noch sehr einleuchtend, aber meine Wahrnehmung war bisher eine andere.

    Tolle Idee, die eigentlich einen größeren Rahmen (z.B. als Radiofeature) als diesen Blogeintrag verdient hat. Vielleicht sollten wir das dann vor der WM 2018 gemeinsam umsetzen. Bis dahin könnte ich ja alles nachgeschaut haben…

  9. Teilzeitborussin Says:

    Ich freue mich, dass du meine Begeisterung für das 2010-Team und die ENG- und ARG-Teams teilst. Da ich ja Tiki Taka aus ganzem Herzen hasse, habe ich bittere Tränen beim Ausscheiden geweint. Nicht nur aus Fan-Sentimentalität, sondern weil ich nicht wahrhaben wollte, dass das spanische unserem Pinball-System überlegen war.

  10. Schlusspfiff: Sprachlos Says:

    […] anderes machen muss, als sich mit unserem Lieblingssport zu beschäftigen. Sein neuester Streich: Er hat sich alle deutschen WM-Spiele seit 1954 angesehen uns ein persönliches Ranking aufgestellt. Es ist ein wirklich lesenswerter Blick zurück. Besonders geschmunzelt habe ich bei einem […]

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